VERLEBENDIGUNG DES MENSCHEN AUS EINEM RAUM HERAUS / KULTURMANAGEMENT

L.REHM |

Die Ganz Grossen Themen Sind Hier ist ein Projekt, das sich auf mehreren Ebenen mit der menschlichen Kommunikation auseinandersetzt. Möglicherweise ist damit schon zu viel gesagt, aber wer kann das schon sagen.

www.dieganzgrossenthemensindhier.tumblr.com

„Hier wird doch ein Gewicht gelegt auf eine Kunst als sagen wir einer Verlebendigung des Menschen direkt aus einem Raum heraus, den wir noch nicht kennen.“ Joseph Beuys

https://www.youtube.com/watch?v=9DIxoM_5NyE

„Die menschliche Kommunikation ist ein Kunstgriff, dessen Absicht es ist, uns die brutale Sinnlosigkeit eines zum Tode verurteilten Lebens vergessen zu lassen.“ Vilém Flusser, Kommunikologie

„Dann ist die Kunst lebensnotwendig für den Menschen.“ Joseph Beuys

„[Der Mensch] ist ein Idiot (ursprünglich: Privatperson), wenn er nicht gelernt hat, sich  der Instrumente der Kommunikation (z.B. einer Sprache) zu bedienen. Idiotie, unvollkommenes Mensch-sein, ist Mangel an Kunst.“ Vilém Flusser

Kommentarfunktionen auf Videoplattformen, in sozialen Netzwerken oder auf journalistischen Seiten in Blogs etc. – das Internet bietet eine Vielzahl an Möglichkeiten, sich einer Öffenlichkeit mitzuteilen. Theater liefert ein ähnliches kommunikatives Framing. Unterschiede sind vor allem räumlicher, dynamischer und interaktiver Struktur.

Das Projekt testet Transformationsmöglichkeiten. Der Pool ist gewaltig. In Anbetracht von Flussers Definition von Kommunikation und Beuys‘ Gedanken zur Kunst ist jeder Text, jeder Ausruf als Manifestation eine Grundbedürfnisses des Menschen ernst zu nehmen. Die Absurdität der qualitativen Evaluation „groß“ soll ernst genommen werden, um einen Raum zu stiften, in dem wir hoffentlich nicht vereinsamen.

In einem ersten Schritt (Ende November 2012) versuchen wir physisch präsenten Beteiligte, als Agenten Texte zu finden. Bühnenangebot sind also Texte, Themen, Formen, die uns (projektbezogen) wichtig sind. Die Autoren werden kontaktiert – sie geben Feedback oder schweigen. Sie partizipieren bewusst, wechseln den Frame, oder sie lassen es sein.

In einem zweiten Schritt (ab 26.11.2012) diskutieren wir die Texte, fragen nach Sensibilitäten und suchen nach psychologischen und formalen Möglichkeiten.

Im dritten Schritt (ab 3.Dezember 2012) werden Bühnen-Module gebaut.

Im vierten Schritt (zeitlich noch nicht fixiert) wird über ein Arrangement nachgedacht. Wer wird Autor dessen?

Im fünften Schritt – dem Staging – (8./9./10. Januar 2013) kommt es auf der Studiobühne der LMU zur Konfrontation mit den Unbekannten oder auch Bekannten.

Im sechsten (optionalen) Schritt wird die Postproduktion des Films abgeschlossen, der dann als weiteres Angebot im Internet existieren wird.

Währenddessen gibt es Updates auf www.dieganzgrossenthemensindhier.tumblr.com

Worauf wir achten / Was wir tun:

Dirk Baecker formuliert in Was ist Kultur? (2010) http://www.dirkbaecker.com/WasistKultur.pdf vier Funktionen kultureller Projekte. Da unsere Produktion institutionell bedingt in erster Linie organisatorisch (zeitlich, räumlich, technisch, materiell) beschränkt ist, d.h. Formen und Inhalte seitens der LMU wenig reguliert sind, ist es unsere Aufgabe, uns den Fragen seiner Funktion zu stellen, um geeignete kommunikative Angebote zu konstruieren.

_ Wir müssen uns also (I.) fragen: „Welchen Beitrag […] das kulturelle Projekt zur Bestimmung, Variation und Neubestimmung von Interaktionsmustern der Gesellschaft [leistet]?“ Baecker weist daraufhin, dass „die Kriterien hierfür […] nicht aus einem wie immer bestimmten Avantgardeverständnis der Kunst gewonnen werden“ können. Vielmehr muss evaluiert werden: welchen Bedarf könnte das Publikum „an ökologischer und epistemologischer Reflexion“ haben, was jedoch keinesfalls bedeuten kann, eine temporäre Verstörung vermeiden zu müssen.

_ Wie die hervorgebrachten Formen des kommunikativen Angebots auf dem Prüfstand stehen (II.) muss auch die Form der Organisation des Projekts  reflektiert werden. Gerade im Hinblick auf die Anlehnung an René Polleschs Ansätze sind Hierarchien zu prüfen: inwiefern können von Erfahrungen aus Schultheater / (semi-)professionellen Theaterproduktionen / Performances / Filmproduktionen / anderweitiger Betriebe Arbeitsstrategien/-taktiken mit Foucault als produktive oder erdrückende Machtverhältnisse evaluiert werden? Wie sieht die Wissensökonomie aus, d.h. was wird wem vorenthalten in der Hoffnung die Produktivität zu steigern?

_ Für den wahrscheinlichen Fall der Thematisierung von Protest stellt sich die Frage (III.) nach seinen „Motive[n] und seiner Adresse“. Die „Eigentümlichkeit, dass auch der Protest die Kommunikation fortsetzt, das heißt bei aller Negation spezifischer Verhältnisse eine positive Rolle in der Gesellschaft spielt. (18)“ wird hier als praktisches Modul verhandelt werden.

_ Schließlich formuliert Baecker die entscheidende funktionale Frage (IV.) danach, „woran das Projekt wie erinnert“. Integriert sein sollte eine Würdigung der „Differenz von Erinnern und Vergessen […] die für jedes Gedächtnis operativ leitend ist.“

Der ausführende Abschnitt geht direkt in das Grundkonzept dieser Arbeit ein: „Auch hier darf es meines Erachtens keine Vorentscheidungen zugunsten des kulturell Wertvollen oder Wertlosen geben, sondern kann in jedem Einzelfall eines Kulturprojekts geprüft werden, wie es sich auf das Gedächtnis der Gesellschaft im Kontext der schwierigen Fragen der Lokalisierung dieses Gedächtnisses (Themen der Kommunikation, Gewohnheiten des Alltags, Institutionen der Gesellschaft, Erinnern und Vergessen der Individuen im Kontext von Familie, Clique und Milieu) bezieht.“

Geprüft werden soll bei diesem Projekt auf mehreren operativen Ebenen:

  • physisch präsente Agenten für sich genommen mit Bezug auf Kerngedanken des Projekts
  • physisch präsente Agenten im Austausch miteinander, wobei unter Bezug auf Punkt (II.) vermutlich die Sonderstellung des Initiators eine weitere Ebene öffnen muss.
  • Kommunikationspartner, physisch absente Beteiligte, mit denen sich die Agenten im Austausch befinden.
  • Außenstehende, die über die Informationsangebote im Internet initiativ Feedbacks geben
  • das Publikum am Abend der Aufführungen / (des Films)

Verallgemeinert auf das gesamte Projekt geht es also um Perspektiven „[mehrerer] Beobachter, d[ie] an [ihre] eigenen Unterscheidungen, an [ihre] eigenen Vorurteile und an [ihre] eigene[n] Fähigkeit[en] der Reflexion [ihrer] Unterscheidungen gebunden [sind] […].“

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Ein Kommentar

  1. Ismail Tari

    diese Junge, kluge Junge

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